Herstellerangaben zum Stromverbrauch von Elektroautos und der tatsächliche Verbrauch im Alltag klaffen häufig deutlich auseinander. Wer wissen will, was eine Fahrt tatsächlich kostet, muss deshalb mit realistischen Verbrauchswerten und den aktuellen Strompreisen rechnen – nicht mit den optimistischen Normwerten aus dem Prospekt. In diesem Beitrag zeigen wir konkrete Rechenbeispiele für verschiedene Fahrzeugklassen, Lademöglichkeiten und Jahreszeiten sowie einen ehrlichen Vergleich zum Verbrenner.
Das Wichtigste in Kürze
- Realer Verbrauch liegt meist 10–20 % über den Herstellerangaben, im Winter oft noch deutlich mehr.
- Laden an der eigenen Wallbox mit Autostromtarif ist mit Abstand die günstigste Lademöglichkeit.
- Schnellladen unterwegs kann pro 100 km zwei- bis dreimal so teuer sein wie Laden zu Hause.
- Ein E-Auto an der Heim-Wallbox ist bei den meisten Vergleichen günstiger als Benziner oder Diesel.
- Wer die Ladezeiten flexibel steuern kann, senkt die Kosten pro 100 km nochmals deutlich.
Realer Verbrauch nach Fahrzeugklasse
Kompaktwagen im Elektrosegment verbrauchen im realistischen Mischbetrieb aus Stadt-, Land- und Autobahnfahrt etwa 16 bis 19 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Mittelklassefahrzeuge liegen typischerweise zwischen 19 und 23 Kilowattstunden, größere SUVs und Elektro-Vans zwischen 22 und 28 Kilowattstunden.
Diese Werte gelten für gemäßigte Außentemperaturen und moderate Fahrweise. Im Winter steigt der Verbrauch durch Heizung, Batteriekonditionierung und geringere Batterieeffizienz bei Kälte spürbar an – realistisch müssen Sie mit einem Aufschlag von 15 bis 25 Prozent gegenüber dem Sommerverbrauch rechnen.
Auch die Fahrgeschwindigkeit spielt eine erhebliche Rolle: Wer regelmäßig mit über 130 km/h auf der Autobahn unterwegs ist, kann den Verbrauch gegenüber einer Fahrt mit 100 bis 110 km/h um 20 bis 30 Prozent erhöhen, da der Luftwiderstand quadratisch mit der Geschwindigkeit zunimmt.
Kosten pro 100 km je nach Lademöglichkeit
Wer zu Hause an der eigenen Wallbox mit einem günstigen Autostromtarif von etwa 24 Cent pro Kilowattstunde lädt, zahlt bei einem Mittelklassewagen mit 19 bis 23 Kilowattstunden Verbrauch rund 4,60 bis 5,50 Euro pro 100 Kilometer. Bei einem sparsamen Kompaktwagen sinkt dieser Wert auf rund 4,00 Euro, bei einem größeren SUV steigt er auf bis zu 6,70 Euro.
An öffentlichen Schnellladesäulen liegen die Preise deutlich höher, häufig bei 50 bis 60 Cent pro Kilowattstunde. Dieselbe Fahrt kostet dort dann 9 bis 15 Euro pro 100 Kilometer – also etwa doppelt bis dreimal so viel wie zu Hause.
Wer sein Fahrzeug an sonnigen oder windreichen Stunden lädt, in denen der Börsenstrompreis besonders niedrig oder sogar negativ ist, kann die Kosten theoretisch noch weiter senken. Solche Situationen sind aber selten und sollten nicht als Regelfall eingeplant werden.
| Lademöglichkeit | Preis pro kWh | Kosten pro 100 km |
|---|---|---|
| Heim-Wallbox, Autostromtarif | 24 ct | 5,04 € |
| Heim-Wallbox, dynamischer Tarif (Nacht) | 16 ct | 3,36 € |
| Öffentliche Normalladesäule | 45 ct | 9,45 € |
| Schnellladesäule (DC) | 58 ct | 12,18 € |
Rechenbeispiel: Jahreskosten für einen typischen Pendler
Nehmen wir einen Pendler, der jährlich 15.000 Kilometer fährt und zu 90 Prozent zu Hause an der Wallbox mit Autostromtarif zu 24 Cent pro Kilowattstunde lädt, die restlichen 10 Prozent unterwegs an Schnellladesäulen zu 58 Cent. Bei einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ergibt sich ein Gesamtverbrauch von 3.000 Kilowattstunden im Jahr.
Für die 2.700 Kilowattstunden zu Hause fallen 648 Euro an, für die 300 Kilowattstunden Schnellladen unterwegs 174 Euro. Insgesamt ergeben sich Stromkosten von 822 Euro pro Jahr, was rund 5,48 Euro pro 100 Kilometer im Mittel entspricht.
Würde derselbe Pendler ausschließlich an öffentlichen Schnellladesäulen laden, lägen die Jahreskosten bei rund 1.740 Euro – mehr als doppelt so hoch. Die eigene Wallbox ist damit finanziell der mit Abstand wichtigste Hebel für günstiges Fahren.
Vergleich zum Verbrenner
Ein Benziner mit einem realistischen Verbrauch von 7 Litern pro 100 Kilometer kostet bei einem Preis von etwa 1,79 Euro pro Liter rund 12,50 Euro pro 100 Kilometer. Ein sparsamer Diesel mit 5,5 Litern Verbrauch bei 1,69 Euro pro Liter liegt bei etwa 9,30 Euro pro 100 Kilometer.
Ein E-Auto, das überwiegend zu Hause an der Wallbox geladen wird, bleibt in praktisch allen Rechenszenarien deutlich günstiger als beide Verbrennervarianten. Erst wenn ausschließlich an teuren öffentlichen Schnellladesäulen geladen wird, nähern sich die Kosten pro 100 Kilometer denen eines Diesels an oder übersteigen sie sogar leicht.
- Benziner (7 l/100 km, 1,79 €/l): 12,50 €/100 km
- Diesel (5,5 l/100 km, 1,69 €/l): 9,30 €/100 km
- E-Auto an Heim-Wallbox: ca. 4,00–6,70 €/100 km
- E-Auto an Schnellladesäule: ca. 9,00–15,40 €/100 km
Fazit
Ob ein Elektroauto tatsächlich günstiger fährt als ein Verbrenner, hängt entscheidend davon ab, wo und wie geladen wird. Mit eigener Wallbox und einem passenden Autostrom- oder dynamischen Tarif liegen die Kosten pro 100 Kilometer deutlich unter denen eines vergleichbaren Benziners oder Diesels.
Wer regelmäßig auf öffentliches Schnellladen angewiesen ist, etwa mangels eigener Lademöglichkeit, sollte die Kostenrechnung individuell genau prüfen, da sich der Kostenvorteil gegenüber dem Verbrenner in diesem Fall deutlich verringert oder sogar verschwinden kann.
Häufige Fragen
Wie stark weicht der reale Verbrauch von den Herstellerangaben ab?
Im Alltag liegt der reale Verbrauch häufig 10 bis 20 Prozent über den offiziellen Normwerten, im Winter durch Heizung und geringere Batterieeffizienz oft noch deutlicher darüber. Für eine realistische Kostenplanung sollten Sie deshalb immer mit einem Sicherheitsaufschlag rechnen.
Lohnt sich eine Wallbox, wenn ich nur selten lade?
Auch bei geringer Fahrleistung amortisiert sich eine Wallbox meist innerhalb weniger Jahre, da die Kostendifferenz zum öffentlichen Laden erheblich ist. Bei sehr geringer Fahrleistung sollte die Investition dennoch individuell durchgerechnet werden.
Warum sind Schnellladesäulen so viel teurer als das Laden zu Hause?
Der Betrieb von Schnellladeinfrastruktur ist mit hohen Investitions- und Netzanschlusskosten verbunden, die über den Ladepreis refinanziert werden müssen. Zudem fehlt bei öffentlichem Laden oft der Wettbewerbsdruck eines frei wählbaren Haushaltstarifs.
Verändert sich die Kostenrechnung mit steigenden Strompreisen?
Ja, die absoluten Beträge verschieben sich mit dem allgemeinen Strompreisniveau. Der relative Kostenvorteil des E-Autos gegenüber Benzin und Diesel bleibt aber in den meisten Marktphasen bestehen, da auch Kraftstoffpreise Schwankungen unterliegen.
Quellen & Stand
- SMARD – Strommarktdaten Bundesnetzagentur
- BDEW – Ladestrompreise und Marktübersicht
- Destatis – Kraftstoffpreise und Verbraucherpreisindex
Zuletzt redaktionell geprüft: August 2026. Alle Preisangaben sind Marktschätzungen und keine verbindlichen Angebote.
Über den Autor
Thomas schreibt für Volturo über Strompreise, Tarifmodelle und Wechselpraxis. Die Beiträge werden redaktionell geprüft und bei Marktänderungen aktualisiert. Volturo finanziert sich über Provisionen der Anbieter – wie das funktioniert, erklären wir unter Werbung & Provisionen.
