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Grundversorgung vs. Sondertarif: Warum Sie monatlich Geld verschenken

Über 22 % aller Haushalte sind noch in der teuren Grund­versorgung. So erkennen und beenden Sie die Kosten­falle.

Franziska Lehmann· Energie-Beraterin 25. März 2026 5 Min. Lesezeit

Die Grundversorgung erfüllt einen wichtigen Zweck: Sie stellt sicher, dass niemand ohne Strom dasteht, selbst wenn kein aktiver Liefervertrag existiert. Doch genau diese Bequemlichkeit hat ihren Preis. Im bundesweiten Schnitt zahlen Haushalte in der Grundversorgung mehrere hundert Euro mehr pro Jahr als in einem vergleichbaren Sondertarif. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Grundversorgung funktioniert, warum sie so teuer ist, und wie Sie in wenigen Schritten in einen günstigeren Tarif wechseln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grundversorgung ist gesetzlich vorgeschrieben, aber im Schnitt rund 25 bis 30 % teurer als ein guter Sondertarif am Markt.
  • Grundversorgungstarife lassen sich mit nur zwei Wochen Frist kündigen, ganz ohne Mindestlaufzeit oder Kündigungsgebühr.
  • Bei einem 3-Personen-Haushalt mit 3.500 kWh Verbrauch beträgt der jährliche Preisunterschied häufig über 350 Euro.
  • Erkennbar ist die Grundversorgung meist an Tarifnamen wie 'Grundversorgung', 'Basisversorgung' oder schlicht dem Fehlen eines gesonderten Vertragsdokuments.
  • Ein Wechsel dauert in der Regel wenige Minuten online und wird vom neuen Anbieter komplett organisiert, inklusive Kündigung beim bisherigen Versorger.

Was genau ist die Grundversorgung?

Jeder Netzbetreiber in Deutschland bestimmt für sein Gebiet einen sogenannten Grundversorger – meist das örtliche Stadtwerk oder den regionalen Energieversorger mit den meisten Haushaltskunden. Dieser Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt im Netzgebiet auf Anfrage zu beliefern, unabhängig von Bonität oder Vertragsstatus.

Die Grundversorgung greift automatisch, wenn Sie in eine neue Wohnung einziehen und noch keinen aktiven Liefervertrag abgeschlossen haben, oder wenn ein vorheriger Vertrag ausläuft, ohne dass ein Anschlussvertrag existiert. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um eine Notlösung, sondern um einen vollwertigen, aber meist teureren Tarif.

Zu unterscheiden ist die Grundversorgung von der sogenannten Ersatzversorgung, die nur für maximal drei Monate gilt, wenn überhaupt kein Liefervertrag zustande gekommen ist – etwa bei einem gescheiterten Lieferantenwechsel. Die Ersatzversorgung ist noch teurer und automatisch befristet.

Warum die Grundversorgung strukturell teurer ist

Grundversorger kalkulieren ihre Tarife konservativ, da sie gesetzlich verpflichtet sind, jeden Kunden zu beliefern – auch solche mit schlechter Zahlungshistorie oder hohem Ausfallrisiko. Dieses Risiko wird über den Preis auf alle Kunden umgelegt.

Zudem verzichten Grundversorger auf aggressive Neukundenrabatte, wie sie im freien Markt üblich sind, da sie ihre Kunden ohnehin automatisch erhalten, ohne aktiv Marketing betreiben zu müssen. Wechselwillige, preisbewusste Kunden verlassen die Grundversorgung meist ohnehin, sodass ein überdurchschnittlich hoher Anteil eher trägerer Kunden zurückbleibt, für die Preiswettbewerb weniger entscheidend ist.

Rechenbeispiel: Der tatsächliche Preisunterschied

Nehmen wir einen 3-Personen-Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch. Ein typischer Grundversorgungstarif kostet 2026 im Schnitt rund 38 ct/kWh Arbeitspreis zuzüglich 14,50 € monatlichem Grundpreis.

Jahreskosten in der Grundversorgung: 3.500 kWh × 0,38 €/kWh = 1.330,00 € plus 12 × 14,50 € = 174,00 €, in Summe 1.504,00 € pro Jahr.

Ein vergleichbarer Sondertarif mit 12 Monaten Preisgarantie liegt oft bei 28 ct/kWh und 11,50 € Grundpreis: 3.500 kWh × 0,28 €/kWh = 980,00 € plus 12 × 11,50 € = 138,00 €, macht 1.118,00 € pro Jahr. Die Ersparnis beträgt 386,00 € jährlich, also fast eine ganze Monatsmiete für viele Haushalte.

So erkennen Sie, ob Sie in der Grundversorgung sind

Ein Blick auf die letzte Jahresabrechnung oder den Vertrag hilft weiter. Suchen Sie nach Formulierungen wie 'Grundversorgung', 'Grund- und Ersatzversorgung' oder generischen Tarifnamen wie 'Klassik', 'Basis' oder 'Standard' in Kombination mit dem Namen des örtlichen Stadtwerks.

Ein weiteres Indiz: Wenn Sie sich nicht aktiv für einen Tarif entschieden oder online einen Vertrag abgeschlossen haben, sondern einfach 'automatisch beliefert' wurden, befinden Sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Grundversorgung.

  • Tarifname enthält 'Grundversorgung', 'Basis' oder 'Klassik'
  • Kein aktiv abgeschlossener Liefervertrag vorhanden
  • Anbieter entspricht dem lokalen Platzhirsch-Stadtwerk
  • Keine Vertragslaufzeit oder Bonuszahlung im Vertrag vermerkt

Der Wechselprozess in der Praxis

Aus der Grundversorgung heraus zu wechseln ist besonders einfach, da keine Mindestvertragslaufzeit gilt. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt lediglich zwei Wochen, es fallen keine Kündigungsgebühren an, und ein Sonderkündigungsrecht ist nicht nötig, da ohnehin jederzeit kündbar ist.

In der Praxis läuft der Wechsel über den neuen Anbieter: Sie schließen online einen neuen Vertrag ab, geben Zählernummer und aktuellen Zählerstand an, und der neue Anbieter kündigt die Grundversorgung automatisch in Ihrem Namen. Die Stromversorgung läuft dabei technisch unterbrechungsfrei weiter, da lediglich der Lieferant, nicht aber die physische Leitung wechselt.

Worauf bei der Wahl des Sondertarifs zu achten ist

Nicht jeder Sondertarif ist automatisch die bessere Wahl. Wichtig ist eine Vertragslaufzeit von maximal 12 Monaten mit einer Kündigungsfrist von nicht mehr als sechs Wochen, damit Sie flexibel auf sich ändernde Marktpreise reagieren können.

Achten Sie außerdem auf eine Preisgarantie über die gesamte Erstlaufzeit sowie auf realistische Bonuszahlungen: Ein hoher Neukundenbonus kann attraktiv wirken, sollte aber nicht über einen überdurchschnittlich hohen Grundpreis oder Arbeitspreis hinwegtäuschen. Rechnen Sie die Gesamtkosten über zwölf Monate, nicht nur den beworbenen Bonus.

Gibt es auch Vorteile der Grundversorgung?

Ein Vorteil der Grundversorgung ist die Flexibilität: Da keine Mindestlaufzeit besteht, eignet sie sich für kurze Übergangsphasen, etwa bei einem befristeten Umzug oder wenn schnell eine Versorgung sichergestellt werden muss, bevor ein passender Sondertarif gefunden ist.

Für den Dauerbetrieb ist sie jedoch fast nie die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Wer die Grundversorgung länger als ein bis zwei Monate nutzt, sollte aktiv einen Vergleich anstoßen, da die finanziellen Nachteile mit der Zeit erheblich anwachsen.

Häufige Fragen

Wie schnell kann ich aus der Grundversorgung wechseln?

Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt zwei Wochen. In der Praxis kann der komplette Wechselprozess inklusive Vertragsabschluss beim neuen Anbieter oft innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein.

Fallen beim Wechsel aus der Grundversorgung Gebühren an?

Nein, die Grundversorgung kann kostenfrei und ohne Kündigungsgebühr beendet werden. Auch der neue Vertragsabschluss ist in der Regel kostenlos.

Muss ich mich selbst um die Kündigung der Grundversorgung kümmern?

In der Regel nicht. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung automatisch, sobald Sie den neuen Vertrag online abgeschlossen und Ihre Zählerdaten übermittelt haben.

Was passiert, wenn ich in die Ersatzversorgung rutsche?

Die Ersatzversorgung gilt maximal drei Monate und ist meist noch teurer als die reguläre Grundversorgung. Sie sollten in diesem Zeitraum dringend einen regulären Liefervertrag abschließen, um dauerhaft in den teuren Tarif zu vermeiden.

Quellen & Stand

Zuletzt redaktionell geprüft: August 2026. Alle Preisangaben sind Marktschätzungen und keine verbindlichen Angebote.